EVENTS & MESSEN28. Februar 2025

Frankfurt Digital Finance und Embedded Finance Review – FinTech-Impulse aus Frankfurt

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Zwei aktuelle Events zeigten, wie sehr die Finanzbranche unter Digitalisierungs- und Innovationsdruck steht. Auf dem Embedded Finance Review Side-Event drehte sich alles um die Frage, welche Rolle Banken in neuen Finanz-Ökosystemen einnehmen können. Einen Tag später diskutierte die Konferenz Frankfurt Digital Finance unter dem Motto „It’s time to act, Europe!“ die Zukunft des europäischen Finanzplatzes – von Integration bis Regulierung.

von Dirk Emminger

Veranstalter Lars Markull brachte es in seiner Einführung auf den Punkt:

Banken, die ins Embedded Finance einsteigen wollen, stehen vor einer „kritischen Wahl“. Sie können entweder im Frontend auftreten – also eigene branchenfremde Produkte und Dienste direkt für Kunden anbieten – oder ins Backend wechseln und als unsichtbarer Infrastrukturdienstleister agieren​.”

Frontend bedeutet etwa, dass eine Bank zusätzliche Nicht-Finanz-Produkte entwickelt (z. B. Buchhaltungstools für KMU), was jedoch nur begrenzte Möglichkeiten bietet. Daher wählen die meisten Institute den Backend-Weg, etwa als Banking-as-a-Service-Anbieter für Drittunternehmen.

Als Sponsor des Abends waren Thought Machine und auch Banxware vor Ort. David Müller vom Londoner Core-Banking-Anbieter zeigte am Beispiel SEB Embedded, wie etablierte Banken durch externe Technologieplattformen schneller innovieren können. So entschied sich die schwedische SEB, für ihre Banking-as-a-Service-Einheit nicht die eigene Altsystem-Infrastruktur zu nutzen, sondern mit einem Partner zusammenzuarbeiten, der es ermöglicht, neue Produkte schnell zu designen und auf den Markt zu bringen​. Diese Strategie – Altsysteme umgehen und auf moderne Kernbank-Technologie setzen – unterstrich, welche Chancen Embedded-Finance-Kooperationen bieten.

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Den praktischen Realitätscheck lieferten anschließend Branchenexperten in einer Paneldiskussion. Mandya Aziz (Banxware) diskutierte mit Miriam Wohlfarth (Banxware), Dora Ziambra (Tide), Dr. Markus Ampenberger (BCG) und Alex Mueller (Holvi) über die Perspektiven von Incumbents, Neobanken und KMU im B2B-Embedded-Finance​. Zu den Kernerkenntnissen gehörte, dass traditionelle Banken bei ihrem Einstieg ins Embedded Finance nicht nur neue Geschäftsmodelle benötigen, sondern vor allem ihr Betriebsmodell anpassen müssen – dieses sei wohl noch entscheidender für den Erfolg.

Unterm Strich wurde deutlich: Embedded Finance ist für Banken Chance und Herausforderung zugleich. Die Institute müssen aktiv entscheiden, welchen Weg sie einschlagen – keine Entscheidung zu treffen, ist dabei auch eine Entscheidung, so das Fazit vom Embedded Finance Review Gründer.

Frankfurt Digital Finance: „It’s time to act, Europe!“ – Europa muss jetzt handeln

Am 12. und 13. Februar rückte bei der Frankfurt Digital Finance 2025 Konferenz der gesamte europäische Finanzsektor in den Fokus.

Jetzt ist der Moment, in dem Europa geschlossen handeln und das Potenzial seiner Finanzindustrie entfesseln muss.“

Corinna Egerer, Initiatorin

Auf der Konferenz versammelten sich hochkarätige Vertreter aus Finanzwirtschaft, Politik und Tech. Sprecherinnen und Sprecher wie Christiana Riley (Santander), Philippe Oddo (ODDO BHF), Alexandre Prot (Qonto), Nicola Beer (EIB), Burkhard Balz (Bundesbank) oder Tamaz Georgadze (Raisin) diskutierten nichts Geringeres als die Zukunft des europäischen Finanzplatzes​.

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Im Mittelpunkt standen zentrale Themen der Branche: von der europäischen Integration der Finanzmärkte über digitale Transformation bis hin zu den richtigen regulatorischen Rahmenbedingungen. Konkret ging es um die Finanzierung von Innovation und Transformation in Europa, um Wachstumsstrategien für die Finanzindustrie und die Förderung europäischer Champions – also starker heimischer Finanzunternehmen. Gleichzeitig adressierten Panels aktuelle Tech-Trends: Open Finance, Künstliche Intelligenz (KI), digitale Zahlungen, Electronic Securities sowie Crypto Assets waren prominente Schlagworte​. Dabei ging es nicht nur um Chancen und Potenziale, sondern auch um die drängende Aufgabe, Europas digitale Zukunft entschlossen voranzutreiben und bestehende Defizite aufzuholen.

Ein passendes Beispiel für den europäischen Wachstumskurs liefert die Neobank Qonto, die mittlerweile in mehreren Ländern aktiv ist. Auf der Konferenz sagte Mitgründer Alexandre Prot:

Unsere Strategie ist es, in ganz Europa zu wachsen. Wir sehen definitiv noch Potenzial für Konsolidierung in den kommenden Jahren – und wir gehören zu den möglichen Konsolidierern. Genau hier liegt für uns die Chance, innovative Finanzlösungen für KMU flächendeckend anzubieten.“

Damit machte Prot deutlich, dass junge europäische Player den Anspruch haben, sich über Ländergrenzen hinweg auszuweiten und dabei auch strategische Zukäufe nicht ausschließen. Dieser Optimismus in puncto europäischer Marktchancen zeigte sich in Frankfurt bei vielen FinTechs und Banken gleichermaßen.

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Ein wichtiges Thema war auch, wie Regulierung und Aufsicht den Finanzsektor beeinflussen – fördern oder bremsen sie Innovation? Hier wurden deutliche Worte gefunden.

Tenor ist, dass wir eine modernisierte Regulierung brauchen, die Stabilität gibt, ohne Innovation zu ersticken. Eddy Henning (Mitglied des Vorstands, ING Deutschland) und Jürgen von der Lehr (Head of Strategy & Sustainability, ING Deutschland) wiesen in ihrem Talk auf die Bedeutung einer Wachstumsmentalität hin – auch für große Institute:

Wettbewerbsfähigkeit heißt, wir müssen uns ständig mit anderen messen und besser werden. Wer den Innovationsfaden reißt, ist schnell abgeschlagen.“

Zu viel Bürokratie und zu langsame Prozesse könnten Europa ausbremsen. Das bekräftigt auch die anhaltende Diskussion um eine pan-europäische Kapitalmarktunion, damit Start-ups und etablierte Player länderübergreifend besser zusammenarbeiten und Kapital aufnehmen können.

Auf einer Podiumsdiskussion, an der Sascha Beck (Managing Director Financial Services, GFT Technologies), Dr. Sina Wulfmeyer (Chief Data Officer, Unique), Stephan Paxmann (Chief Innovation Officer, LBBW), Sebastian Becker (General Partner, Redalpine) und Christian Weil (Head Digital Office, ABN AMRO Bank – Bethmann Bank) teilnahmen, wurde unter anderem lebhaft über zukünftige Regulierungsfragen debattiert. Dabei brachte Stephan Paxmann seine Sichtweise unmissverständlich auf den Punkt:

Ernsthaft, das ist meine persönliche Meinung – bevor wir den Punkt erreichen, an dem AI Regulierung uns in der Unternehmensentwicklung ausbremst, vergehen noch ein paar Jahre. An diesem Punkt sind wir derzeit noch nicht.“

Schwerpunktthemen abseits der Hauptbühne liefen in drei kleineren Räumen parallel

Eines der Highlights war etwa die Session „Digital Euro: What is in for Industry and FinTechs?“, die einen tiefen Einblick in die Chancen und Herausforderungen für Finanzinstitute und Startups gab. Gleichzeitig diskutierte ein anderes Panel zum Thema „Data Analytics & AI“, bei dem es vor allem um die wachsende Bedeutung von Künstlicher Intelligenz und datenbasierten Geschäftsmodellen ging.

Zum Abschluss des ersten Konferenztages fand eine tolle Abendveranstaltung im angrenzenden Palmengarten statt, bevor sich am zweiten Tag verstärkt FinTech-Themen in den Fokus rückten – von CBDCs bis hin zu Next Gen SME-Banking wurde dabei ein breites Spektrum abgedeckt.

Pitch-Sessions mit Startups aus den Bereichen Data Analytics & AI, Payment & Investment Solutions, RegTech, Deep & QuantumTech. Masterclasses mit Impulsen zum digitalen Euro, zur EU-Digital Identity Wallet, Venture Clienting und Personal Branding und kleinere Meetups fanden bis in den Nachmittag herein statt.

It’s time to act, Europe!“

… dieses Motto zog sich wie ein roter Faden durch alle Diskussionen in Frankfurt. Europa muss jetzt handeln, um seine Finanzindustrie zukunftsfähig aufzustellen. Die Konferenz machte deutlich, dass es entschlossenes gemeinsames Vorgehen braucht: in der europäischen Integration, um einen echten Binnenmarkt für Finanzdienstleistungen zu schaffen; in der digitalen Transformation, um Innovationen wie KI, Open Finance oder digitale Währungen aktiv zu gestalten; und in der Regulierung, um einen klugen Rahmen zu setzen, der Stabilität gibt, ohne Fortschritt zu ersticken. Nur so kann Europas Finanzplatz sein volles Potenzial entfalten – genau jetzt ist die Zeit, die Weichen dafür zu stellen.

Die Frankfurt Digital Finance 2026 wird wieder am Jahresanfang stattfinden und zwar am Mittwoch und Donnerstag, den 11. und 12. Februar 2026.Dirk Emminger

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